Unsichtbares sicht- und fühlbar machen

Leid vs. Geborgenheit


Was mich bewegt
, sind die ewigen Themen Leben und Tod, Geborgenheit versus Leid in der langen Geschichte der Menschheit – und was das mit nachfolgenden Generationen macht. Ich verwende Wolle von weißen Schafen wie Papier und Wolle von dunklen Schafen, vereinzelt auch gefärbte Wolle. Zur Befestigung verwende ich meist rohe Haselzweige oder Treibholz, außerdem Brennesselgarn aus dem Himalaya sowie Baustahl. Seit einigen Jahren bringe ich die archaischen Formen auch mit gefärbtem Wachs auf Holz.

What stirs me
are the ageless questions of life and death, a sense of being safe and sheltered versus grief in the long history of mankind. I use white wool from white sheep like paper and black wool from black sheep for drawing, occasionally also dyed wool. To fasten them, I usually use hazel branches or driftwood, sometimes nettle yarn from the Himalayas, and steel.

Ce qui m'interpelle
sont les thèmes éternels, tels que la vie et la mort, le sentiment de sécurité par opposition à la souffrance, de la longue histoire de l'humanité. J'utilise de la laine blanche de moutons blancs comme papier et  pour dessiner de la laine noire de moutons noirs, et sporadiquement aussi de la laine teinte. Pour fixer, j'utilise la plupart du temps  des branches de    noisetier brutes ou encore du bois flottant ainsi que du fil d'ortie de l'Himalaya.

Przeważnie
nieuświadomiona zawiść o poczucie bezpieczeństwa popycha ludzi do przemocy. Tym, co mnie porusza, są odwieczne tematy życia i śmierci, bezpieczeństwa i cierpienia w długiej historii ludzkości. Używam białej wełny z białych owiec jako papieru i czarnej wełny z czarnych owiec do rysowania, z rzadka również wełny farbowanej. Do mocowania używam przeważnie gałązek leszczyny lub drewna wyrzuconego na brzeg, a akże przędzy pokrzywowej z Himalajów.

<– L'amour de loin, 2008,
gefilzt mit Meerwasser, am Strand vor Nizza







                                                    

                                                           




Über die Welt

Mit dem Paradies verlor der Mensch seine Geborgenheit. Seitdem sucht er sie zurück. Das ist so schwer, dass er sie niemandem gönnt, der auch nur ein wenig davon sein Eigen nennt. Er nimmt den anderen dies Wenige mit Krieg, Gewalt, Technokratie. Damit das Leid erhalten bleibt, das er für normal hält. Die Großen nehmen es den Kleinen, die Starken den Schwachen, behaupten dabei seit Jahrtausenden, es wäre zu ihrem Besten. Weil sie es selbst nicht anders kennen. So lebt der Mensch darin und sucht doch mit abgrundtiefer Sehnsucht nach dem, was er in sich ahnt und das Wesentliche nennt: Geborgenheit. Archaisch. Warm, weich. Verletzbar, zerstört. Gehabt, verloren. Das zeige ich in meinen Objekten und Bildern.

When man was expulsed from paradise, mankind lost its sense of being sheltered and safe. And mankind has been trying to find that sentiment again. That is so wearisome and difficult that nobody will allow anybody else to enjoy anything they don't have themselves. They'll take the little they have away from them by war, violence, and technocracy. To maintain the misery they believe to be normal. The mighty take it from the meek and the strong take it from the weak, and have been telling them for millenniums that it is in their own best interest. They do this because they don't know any different. And so man lives in that state of mind, yet is seeking fervently for something he intuits in himself and what he believes to be essential: a sense of being sheltered. Archaic. Warm, tender. Fragile, shattered. Gained, lost. That's what I show in my objects and pictures.

L'homme perdit son sentiment de sécurité en même temps que le paradis. Depuis, il cherche à le retrouver. C'est si difficile qu'il n'accorde à quiconque le fait de le posséder un tant soit peu. Il enlève à l'autre ce petit peu par la guerre, la violence, la technocratie. Afin que la souffrance perdure qu'il considère comme normal. Les grands le prennent aux petits, les forts aux faibles, en prétendant depuis des siècles le faire pour leur bien. Parce qu'eux-mêmes ne connaissent pas autre chose. L'homme vit ainsi et est toutefois, nourri d'une profonde nostalgie, à la recherche de ce qu'il pressent en lui et qu'il nomme l'essentiel : le sentiment de sécurité. Archaїque. Chaud, doux. Vulnérable, détruit. Possédé, perdu. C'est ce que je montre dans mes objets et tableaux.

Wraz z Rajem człowiek utracił swoje poczucie bezpieczeństwa. Od tego czasu stara się je odszukać. Jest to o tyle trudne, że zazdrości go każdemu, kto ma go choć trochę. Zabiera je innym wojną, przemocą, technokracją. I pozostawia cierpienie, które uważa za normalne. Wielcy zabierają je małym, silniejsi słabszym, i od tysiącleci uważają, że robią to dla ich dobra. Gdyż nie potrafią inaczej. I tak żyje człowiek, i szuka z niezmierną tęsknota tego, co w sobie przeczuwa i uważa za istotne: poczucia bezpieczeństwa. Archaicznego. Ciepłego, delikatnego. Kruchego, zniszczonego. Posiadanego, utraconego. To właśnie pokazuje w moich obiektach i obrazach.

<– Syrische Pietà, 2012













perpetua – auf der Flucht

perpetua ist eine Installation von 33 lebensgroßen Filzfiguren aus Wolle und Haselzweigen sowie 12 eingefilzten Figuren. Sie thematisiert Flucht und Vertreibung und wurde seit 2009 in mehreren Kirchen gezeigt. Das Thema ist und bleibt aktuell. Auch hier geht es mir um das Gewahrwerden der transgenerationalen Weitergabe solcher Erfahrungen. Denn jedes traumatische Erlebnis hinterlässt Spuren in den Genen. Die Epigenetik erforscht dies erst seit einiger Zeit.

Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf meine archaischen Figuren. Sehr selten erfahre ich Lachen oder Ablehnung. Oft berichten mir die Menschen davon, wie es sie anrührt – und sie erzählen dann von sich. Sie erzählen mir ihre Geschichte, oft Dinge, die sie, wie sie versichern, noch nie jemandem erzählt haben. So lassen sie das ans Licht, was verborgen war und belastet hat. Durch diese Gespräche erschloss sich mir nach und nach, was diese archaischen Figuren anrühren und wie sie wirken.

Erfahrungen mit perpetua

„ich habe mir die figuren angesehen. dann habe ich mich hingesetzt. danach ist etwas merkwürdiges passiert. als die cellistin spielte, dieses moderne stück von ligeti, da sah ich plötzlich die erste kleine figur. die habe ich vorher gar nicht gesehen. das hatte ich wohl ausgeblendet. aber da habe ich plötzlich gedacht: das bin ja ich! und plötzlich habe ich dann all die anderen kleinen figuren gesehen. plötzlich war die erinnerung ganz da. später bin ich mit meinem dreijährigen patensohn durch die installation gegangen. bei der figur der gebärenden sagte er zu mir: frau tot, da baby.“
frau, 66 jahre, als dreijährige mit ihrer familie aus schlesien geflohen

die figur der gebärenden wurde in jeder der ausstellungen von besuchern bewegt. sie haben versucht, die figur aufzustellen. sie haben das neugeborene unten den rock der figur gesteckt.

„ich habe mich plötzlich erinnert, wie meine mutter mit meinem bruder und mir auf der flucht war, ein drittes kind im bauch. ja, und dann, auf dem weg, haben wir das achtmonatskind in die kiste gelegt und begraben.“
mann, 70 jahre

während der ausstellung war eine trauerfeier in der kirche. verstorben war jemand aus einer flüchtlingsfamilie. jemand legte aus einem grabgesteck eine blume vor eine kleine figur

„ich habe einige menschen ganz gezielt angesprochen, damit sie sich perpetua ansehen. die meisten sagten, sie hätten angst davor, an damals erinnert zu werden.“
frau, 76 jahre, als kind geflohen

„ich habe das noch nie jemandem erzählt. wie meine mutter und die anderen frauen ... meine mutter sagte den männern, das da, das sind kinder. wir sollten ganz leise sein und uns schlafend stellen. aber nie werde ich vergessen, wie meine mutter ... und dann die erhängten. die, die es nicht ausgehalten haben, was passiert ist. das habe ich gesehen. oh, was habe ich alles gesehen ...“
frau, 78 jahre

„das ist wie ruanda. oder ... nein, wie überall, wo menschen fliehen.“
akberet h., aus eritrea

<– perpetua – auf der flucht

unendlicher menschenzug,
der nach sich selber fragt:
jahrtausende sind wir unterwegs,
wo ist das,
was wir gesehen haben?





24-3-29-45 Kollektive Performance

Vom 24. bis 29. März 1945 wurden über 300 Häftlinge aus dem KZKatzbach in den Adlerwerken Frankfurt getrieben, auf einen Todesmarsch von Frankfurt über Dörnigheim nach Hünfeld. 24-29-3-45 gedenkt dieses Ereignisses durch eine einstündige Kollektive Performance auf der historischen Strecke oder als Installation.

Eine Kollektive Performance 24-29-3-45, an der Vertreter möglichst vieler unterschiedlicher Gruppierungen einer Stadt – Parteien, Institutionen, Vereine – als gemeinsame Veranstalter teillnehmen, verläuft schweigend. Ein Text zum Geschehen wird gelesen. Nach einer Zeit verstellt ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin eine der Figuren – und so immer weiter. So machen Menschen und Figuren das Ungeheuerliche sichtbar. Ein Buch bietet nach der Performance Raum für Namen und Eindrücke.

24-29-3-45 begann 2012 mit zwölf Figuren, ein Jahr später waren es 29 Figuren, seit 2015 ist die Performance mit 45 Figuren vollständig. Einen Endruck vermittelt ein kurzer Film. Mehr Informationen und Fotos: http://www.kzadlerwerke.de

<– 24-29-3-45 Kollektive Performance in Frankfurt am Main, Eiserner Steg,
Schirmherr: OB Peter Feldmann









Ausstellung und Performance

2018
Ahl/Bad Soden-Salmünster, 25. März, 24-29-3-45 Kollektive Performance, Schirmherr: Volker Bouffier

Termin in Abstimmung, Musée Résistance et Déportation:
Übergabe der "Tür in Arles" (100x200 cm, 2012) an die Stadt Arles

2017
Schlüchtern, 26. März, 24-29-3-45 Kollektive Performance

2016
Steinau a.d. Straße, 24-29-3-45 Kollektive Performance

2015
Gelnhausen, 28-3-45 Kollektive Performance

2014
unter den Sternen Nidderau, Bertha-von-Suttner-Schule,
im Rahmen der Ausstellung Hessische Landgemeinden im 1. Weltkrieg

Fulda, 28-3-45 Kollektive Performance

2013
Fulda, Red Corridor Gallery, Löherstraße
Frankfurt am Main, 24-3-45 Kollektive Performance
Maintal-Dörnigheim, 25-3-45 Installation
Hünfeld, 29-3-45 Kollektive Performance
Maintal, Albert-Einstein-Schule (anlässlich einer Lesung mit Peggy Parnass)

2012
Maintal-Dörnigheim, 25-3-45 Kollektive Performance
Maintal-Hochstadt, Altes Rathaus

2011
Gelnhausen, Marienkirche
Heusenstamm, Gustav-Adolf-Kirche

2010
Hanau, Neue Johanneskirche
Wiesbaden-Schlangenbad

2009
Maintal, Alte Kirche am Main
Maintal-Hochstadt, Katholische Kirche
Maintal-Dörnigheim, Katholische Kirche Allerheiligen
Maintal-Bischofsheim, Evangelische Kirche
Maintal-Wachenbuchen, Evangelische Kirche