Zu diesem Stück

Fraktales Wesen Mensch? Von wegen. Das ist zwar ein bekanntes Bild: Der zerstörte Mensch, der auch so bleiben soll oder muss, weil es angeblich unmöglich sei, all die Traumata des Lebens zu heilen. Viele denken auch, der Mensch würde erst nach dem Ableben ganz – vielleicht! Nämlich nur, wenn es Gott so wolle.

Nun ist reformatorisches Denken zwar insofern anders, als dass der „sündige
Mensch“ gleichzeitig bereits gerechtfertigt ist, seine „Sünden“ also schon aufgehoben sind, sobald er/sie diese begeht. Doch hat auch dieses Denken nicht dazu geführt, dass mehr Frieden auf der Welt ist. Weil Menschen das, was sie tun, immer aufgrund ihrer inneren Zerstörtheit tun – und nicht aufgrund von Sünden.

Wenn Menschen aber zerstört bleiben sollen – wie kann es dann Frieden geben?
Außerdem war mir das Wort „Sünde“ in Bezug auf Kinder immer schon suspekt.
Denn Kinder kommen zwar schon ein wenig fraktal auf die Welt, weil sie, wie man mittlerweile weiß, Traumata erben und auch schon im Mutterleib vieles miterleben. Aber die wirkliche Zerstörung geschieht durch den Wahnsinn dessen, was ihnen hier begegnet. Und was einmal aus so einem Menschenkind wird, weiß niemand.

Als Rassist, Extremist oder Gewaltherrscher, aber auch als ängstlicher oder
unterwürfiger, kurz: innerlich zerstörter Mensch wird niemand geboren. Das Sicherheben über andere, die Suche nach dem „starken Mann“ und andere unveränderbar scheinende Gesetzmäßigkeiten, die auf Macht-Ohnmacht basieren, sind immer Folgen inneren Sich-klein- und Nicht-geliebt-Fühlens – aufgrund von Erfahrungen in der Kindheit und darauf „aufbauend“ im weiteren Leben. In APOCALUTHER haben wir das vor zwei Jahren auf die Bühne gebracht.

TABOE (niederl. für Tabu – und das, worum es hier geht, ist ein Tabu) zeigt nun,
was in APOCALUTHER unsichtbar geschah, als die drei Gewaltherrscher ihre
Masken absetzten, nachdem sie den Brief ihrer Eltern und den Brief von Gott
gelesen hatten. In den Briefen stand, das sie geliebt sind – so, wie sie sind.
In TABOE heißt es darum: „Was wir lieben, wie es ist, kann wieder ganz werden.“

Ob angstbesetzter Gewaltherrscher oder Geknechteter, Kind oder Erwachsener –
das fraktale Wesen Mensch ist NICHT dazu auf der Welt, um an der Fraktalität zu leiden. Sondern wir sind hier, um lebensfroh zu leben und um die Herrlichkeit
Gottes zu verwirklichen, die in uns allen ist. Darum können, dürfen, sollen alle
Menschen ganz werden und bleiben. Es ist unser Geburtsrecht.

Meine Vision ist, dass in den Folterkellern der Welt die Peiniger auf einmal GANZ werden. Einfach so. Weil hunderttausend Engelchen ihnen ihre verlorenen Seelenteile zurückbringen. Und dass diese wieder heilen Menschen dann da stehen und starren auf das, was sie getan haben, und sofort alle Gefangenen freilassen, ihre Wunden versorgen. Dass durch dieses Tun auch die Gefolterten wieder ganz werden und dann alle gemeinsam hinausgehen ans Tageslicht. Dorthin, wo das Leben ist. Gemeinsam auf einer Erde, die allen gehört.

Ulrike Streck-Plath
im Juni 2018

ww.taboe.de